Wie viel Angst erlauben wir uns im Business zu zeigen?

Hand aufs Herz: Mögen Sie Ihre Angst – ihre ängstlichen Gefühle? Ich nicht!

👉 Und wie halten wir es mit der Angst im Business – wagen wir es, sie zu zeigen?

👉 Darf eine Führungskraft Angst haben und zeigen – eine Führungskraft muss doch stark sein?

👉 Sollten wir unsere Ängste mit einem Schnaps oder einer Psychopille auflösen?

Der letzte Satz ist nicht ernst gemeint und leider eine gängige und bedenkliche Praxis.

Angst ist eine natürliche Reaktion auf eine wahrgenommene Bedrohung oder Gefahr, die unsere Überlebensinstinkte auslöst. Sie dient als wichtiges Signal, um unsere Aufmerksamkeit auf potenzielle Gefahren zu lenken und uns darauf vorzubereiten, angemessen darauf zu reagieren – also eine gute Sache.

Soweit so gut und was ist mit den Ängsten, die durch unsere Gedanken ausgelöst werden, wie z.B.: Ich muss perfekt sein! Ich muss es allen recht machen! Können wir die Ansprüche nicht erfüllen, kann das Angst auslösen.

Hier eine Angstgeschichte von mir:

Als ich letztes Jahr vom BusinessVillage – Verlag für die Wirtschaft gefragt wurde, ob ich ein Buch schreiben möchte, war ich überglücklich, denn das habe ich mir schon so lange gewünscht.

Jetzt ist das Buch erschienen und im Grunde kann ich wirklich stolz auf mein Werk sein.

Doch im Hintergrund haben mich immer wieder intensive Angstgefühle heimgesucht. Mein Geist hat die verrücktesten Angstszenarien entworfen. Dann hat sich zusätzlich über die Angstgefühle eine Schicht Scham gelegt.

Wie gewohnt, habe ich mich mit meiner Angst und Scham ins Schneckenhaus zurückgezogen, erstmal niemand davon erzählt, weil ich mich so verletzlich gefühlt habe. Ich hatte die Sorge, in meiner aufgewühlten Gefühlslage nicht verstanden zu werden.

Dann habe ich mich doch getraut, von meinen Ängsten und meiner Scham zu erzählen. Ich habe mir genau überlegt, wem kann ich meine Gefühle anvertraun.

Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Menschen einfach zugehört haben, sie haben keine schlauen Ratschläge gegeben, sie haben mich mit meinen Ängsten und mit meiner Scham angenommen. Das war wirklich heilsam.

Es war mir nicht bewusst, dass auch andere Autor*innen diese Ängste kennen.

Außerdem haben mir die Bücher von Brené Brown geholfen. Diese Autorin spricht von ganz ähnlichen Ängsten, als sie sich mit ihrer Arbeit in die Arena gewagt hat – sichtbar wurde.

Ängste machen uns verletzlich – wir werden unsicher. Das kann von unseren Mitmenschen mitfühlend angenommen werden oder wir werden im negativen Fall als Weichei oder Angsthase bewertet.

Und ja, Angst macht verletzlich. Und wer von uns will schon verletzlich sein?

Ich bin überzeugt, dass es uns allen gut tut, wenn wir unsere Ängste wahrnehmen und mit verständnisvollen Menschen darüber sprechen.

In einem weiteren Beitrag werde ich darüber erzählen, was sich unter meinen Ängsten verbarg. Bleiben Sie neugierig.

Wie halten Sie es mit Angst im Business?